Begriffe

Begriffe/Labels

Gerade während der Zeit des Questionings, während des Coming Outs und/oder zu Beginn einer Transition ist es für viele trans Menschen wichtig, dass sie mit der richtigen Bezeichnung angesprochen werden und auch ein Label für sich finden können.

Dies bietet Sicherheit, ein Gefühl der Zugehörigkeit und oftmals eine Pause vom Alltag. Deshalb ist es wichtig, Labels zu respektieren.

A

AFAB

Assigned Female at Birth, englisch für zugewiesenes weibliches Geschlecht.

AMAB

Assigned Male at Birth, englisch für zugewiesenes männliches Geschlecht.

Asterikus

auch Sternchen. Symbol (*), welches als Platzhalter genutzt wird. Trans* steht somit unter anderem für alle Begriffe, die mit dem Präfix trans- beginnen. Der Gebrauch des Asteriskus wird insbesondere aus den USA kritisiert. Wird auch (ähnlich wie der Gender Gap) verwendet, um Wörter mit geschlechtsspezifischen Änderungen (Bsp. Gärtnerin, Sozialarbeiter) auch für nicht-binäre Menschen inklusiv zu machen. Bsp.: Gärtner*in, Sozialarbeiter*in.

B

Binäres Geschlechtersystem

einhergehend mit einer heteronormativen Weltauffassung werden die Menschen in Männer und Frauen eingeteilt und ihnen Geschlechterrollen zugewiesen. Verneint jegliche Geschlechtsidentitäten ausser männlich und weiblich.

Binäres Geschlecht

Geschlecht einer Person, die sich entweder ausschliesslich als Frau oder ausschliesslich als Mann identifiziert.

Binder

Kleidungsstück, das dazu dient, die Brust flacher zu machen. Gute Binder sind bei gc2b und Underworks zu finden. Versucht nie, mit Verband oder nicht-medizinischem Klebeband abzubinden, es ist gefährlich! Binder tragen ist die sicherste Variante, um eine flache Brust zu erzielen. Trotzdem sollte mensch vorsichtig damit sein, keinen Billig-Binder kaufen, ihn nicht länger als 8h am Tag tragen, genügend trinken, ihn sofort abziehen sobald das Atmen schwerfällt oder es weh tut, und generell auf euer Körpergefühl hören. Bei unsicherem Abbinden kann das Gewebe geschädigt werden, eine Rippe brechen oder andere gesundheitliche Schäden entstehen.

Binnen-I

Binnenmajuskel um das generische Maskulinum zu vermeiden und Personen beider Geschlechter anzusprechen (Bsp. Binnen-I: SchülerInnen).

C

Cis

Lateinisches Präfix für „diesseits“

Cis Mensch, cis Person

Mensch, dessen Geschlechtsidentität mit dem Geschlecht, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde, übereinstimmt.

Coming Out

1. Sich selbst eingestehen (inneres Coming Out) und 2. Anderen Menschen mitteilen (äusseres Coming Out), dass man trans (oder homo-, bi-, pan-, asexuell, … ist).

Crossdresser

auch Transvestiten genannt, sind Menschen, die aus unterschiedlichen Beweggründen Kleider des anderen Geschlechts tragen. Die meisten Crossdresser identifizieren sich mit dem ihnen bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht.

D

Dachbegriff

bzw. Überbegriff oder auch umbrella term (Regenschirmbegriff; ein Regenschirm, unter dem andere Begriffe Platz finden) genannt. Transgender ist beispielsweise ein Überbegriff für viele verschiedene Begriffe aus dem Bereich der Geschlechtsvarianz.

Die meisten Begriffe werden aus der englischen Sprache übernommen und werden aus einem griechischen oder lateinischen Präfix (a-, bi-, demi-, pan-) und dem englischen Wort ​gender​ gebildet. Die Liste könnte beliebig fortgesetzt werden: Im Rahmen einer US-Amerikanischen Studie über ​trans Menschen​ gaben „die 257 Teilnehmenden, die sich selbst als „anderes“ (anstelle von weiblich, männlich oder transgender) charakterisierten […] 119 zusätzliche ​Selbstbeschreibungen​ an, von welchen 101 einzigartige Antworten waren“.

Diskriminierung

Schlechtere Behandlung eines Menschen bzw. einer Menschengruppe aufgrund der Hautfarbe, des Geschlechtes, der sozialen Stellung, der Geschlechtsidentität usw. „Eine Ungleichbehandlung von Personen in vergleichbaren Situationen, die zu einer ungerechtfertigten Herabwürdigung führt und an ein verpöntes Unterscheidungsmerkmal anknüpft. Diskriminierung stellt damit eine qualifizierte Art von Ungleichbehandlung dar.“

Drag

Kunstform, sich als das Gegengeschlecht zum Identitätsgeschlecht zu verkleiden, oft eine karikaturistische und oftmals humoristische Darstellung des (meist) anderen Geschlechts. Dragqueens sind Männer, die sich auf der Bühne als (überspitzte) Frauen ausgeben, Dragkings sind Frauen, die sich auf der Bühne als (überspitzte) Männer ausgeben. Beispiel: Conchita Wurst, deren Darsteller im Alltag als Mann lebt. Es gibt aber beispielsweise auch cis und trans Frauen, die als Drag Queens auftreten.

Dysphorie

auch Genderdysphorie bzw. Geschlechtsinkongruenz: Psychiatrische Diagnose für stark empfundenes Nicht-Übereinstimmen zwischen dem Identitätsgeschlecht und dem bei der Geburt zugeordneten Geschlecht. Für die Diagnose muss ein Leidensdruck vorhanden sein. Sozialdysphorie beschreibt die vor allem auf die Geschlechterrolle bezogene Inkongruenz.

E

Enby

die Abkürzung NB (non binary) englisch ausgesprochen (siehe nicht-binäres Geschlecht).

Euphorie, Gendereuphorie/gender euphoria

Glücksgefühl in Bezug auf das Identitätsgeschlecht und alles, was damit verbunden wird. Beispiel: mit den richtigen Pronomen angesprochen werden, sich selber im Spiegel als Person des Identiätsgeschlechts erkennen.

F

Feminismus

„politische Bewegung, gesellschaftliche und geistige Strömung, die die Gleichberechtigung von Frauen sowie die Veränderung der traditionellen Geschlechterrollen und der männlich geprägten Lebensform und Kultur anstrebt“.

Frau

Mensch mit weiblicher Geschlechtsidentität.

Fremdbezeichnung

Zuschreibung von aussen bzw. anderen Personen, die nicht mit der Selbstbezeichnung übereinstimmen muss (siehe: Selbstidentifikation).

G

Gender

Im deutschen Sprachgebrauch oft mit „soziales Geschlecht“ übersetzt, beschreibt die gesellschaftlich konstruierten und veränderlichen Geschlechter bzw. Geschlechterrollen und Geschlechterverhältnisse. Im englischen Sprachraum werden gender (soziales Geschlecht) und sex (körperliches Geschlecht), im Gegensatz zur deutschen Sprache, nicht gleichgesetzt.

Gender Gap

mit dem Gender Gap werden auch Personen, die eine nichtbinäre Geschlechtsidentität haben, erfasst (Bsp. Gender Gap: Schüler_innen).

Generisches Maskulinum

Das benutzen der männlichen Form eines Wortes unabhängig davon, wer gemeint ist oder angesprochen wird. (Bsp.: Von „Schülern“ sprechen, wenn Schüler*innen jeglichen Geschlechts gemeint sind).

Geschlechterstereotypen

Was „typisch männliches“ bzw. „typisch weibliches“ Verhalten ist, wird meist gesellschaftlich vorgeschrieben und in sogenannten Geschlechterrollen und Rollenbildern manifestiert. Die dahinterstehende Erwartung, diese zu erfüllen, nennt man gender expectations.

Geschlechtsangleichung

auch Geschlechtsanpassung, früher Geschlechtsumwandlung. Medizinischer Prozess, der den Körper bzw. die primären und/oder sekundären Geschlechtsmerkmale an die Geschlechtsidentität angleichen soll. Mögliche Massnahmen umfassen die Gabe von Hormonen (Hormontherapie) und Hormonblockern sowie operative Massnahmen.

Geschlechtsausdruck

bzw. gender expression. Die Art, wie jemand sein_ihr Geschlecht durch Kleidung, Verhalten(sweisen), Haltung, Sprechweise und Anderes ausdrückt.

Mögliche Arten des Geschlechtsausdruckes sind:

  • androgyn (gleichermassen männlicher wie weiblicher bzw. neutraler Geschlechtsausdruck)
  • butch (maskuliner Geschlechtsausdruck bei Frauen*)
  • femme (femininer Geschlechtsausdruck bei Frauen*)
  • genderfuck (das Spielen mit nicht-Geschlechterrollen-konformem Geschlechtsausdruck)
  • männlich
  • weiblich

Geschlechtsidentität

bzw. Identitätsgeschlecht. Inneres Bewusstsein einer Person, welches Geschlecht sie hat.

Mögliche Geschlechtsidentitäten sind unter anderem:

  • agender (kein Identitätsgeschlecht)
  • androgyn (ein sowohl weibliches als auch männliches Identitätsgeschlecht)
  • bigender (eine zwischen zwei Geschlechtern wechselnde Geschlechtsidentität)
  • demigender (eine nur teilweise Identifikation mit einem Geschlecht. Bsp: Demigirl; jemand, der sich teilweise, aber nicht ganz, als Frau identifiziert)
  • genderfluid (eine zwischen zwei oder mehreren Geschlechtern wechselnde Geschlechtsidentität)
  • männlich
  • nonbinary (eine nicht-binäre Geschlechtsidentität, auch als Überbegriff aller Geschlechtsidentitäten, die weder männlich noch weiblich sind)
  • pangender (Vorhandensein aller Geschlechtsidentitäten)
  • weiblich

I

Inter, Intergeschlechtlichkeit

veraltet: Intersexualität. Menschen, deren Körper sich aufgrund der primären und/oder sekundären körperlichen Geschlechtsmerkmalen und/oder dem Chromosomensatz nicht in die Kategorien „männlich“ oder „weiblich“ einordnen lässt.

M

Mann

Mensch mit männlicher Geschlechtsidentität.

N

Nicht-binäres Geschlecht

Geschlecht einer Person, die sich weder (ganz) als Mann noch (ganz) als Frau identifiziert. Einige nicht-binäre Personen identifizieren sich auch als trans, andere nicht. Wird auch kurz NB (sprich: enby) genannt.

P

Pronomen

Die Personalpronomina der 3. Person. z.B. sie, er, keine, xier, they, …

S

Schwuchtel

abwertende, beleidigende Bezeichnung für homosexuelle Männer.

Selbstidentifikation, Selbstbeschreibung

Ein Label, mit welchem man sich identifiziert und welches man sich selbst zuschreibt. Kann Geschlechtsidentität (Bsp. „Ich bin agender.“), sexuelle Orientierung (Bsp. „Ich bin schwul.“), körperliche Merkmale (Bsp. „Ich bin eine Blondine.“), Job (Bsp.: „Ich bin Komponistin.“) usw. beinhalten.

Sexismus

„Vorstellung, nach der eines der beiden [binären] Geschlechter dem anderen von Natur aus überlegen sei, und die (aufgrund dieser Vorstellung für gerechtfertigt gehaltene) Diskriminierung, Unterdrückung, Zurücksetzung, Benachteiligung von Menschen, besonders der Frauen, aufgrund ihres Geschlechts“ bzw. eine sexistische Verhaltensweise.

Sexuelle Orientierung

Von welchen Geschlechtern man sich hingezogen fühlt, z.B. homosexuell (zum gleichen Geschlecht), bisexuell (zu Männern und zu Frauen), heterosexuell (zum anderen Geschlecht) oder pansexuell (zu allen Geschlechtern).

Auch verwendet werden kann:

  • gynophil (zu Frauen bzw. weiblich wirkenden Personen)
  • androphil (zu Männern bzw. männlich wirkenden Personen).

Asexuelle Personen fühlen gar keine sexuelle Anziehung, und die Anziehung zu nicht-binären Personen wird ceterosexuell oder skoliosexuell genannt. Die sexuelle Orientierung ist von der Geschlechtsidentität unabhängig, allerdings variiert die Bezeichnung je nach Geschlechtsidentität. Homosexuelle Männer werden auch als schwul bezeichnet, homosexuelle Frauen als lesbisch. Es gibt noch viele andere sexuelle Orientierungen, und trans Menschen können, wie alle anderen auch, verschiedenste sexuelle Orientierungen haben.

T

Trans

Lateinisches Präfix für „über, hinüber, jenseits, auf die andere Seite“. Kann als Adjektiv (zB. trans Frau) oder als Wortteil (zB. Transport) verwendet werden.

Transe

abwertende, beleidigende Bezeichnung für trans Menschen, Kurzform für Transvestit.

Transfeindlichkeit, Transphobie

Ablehnende Haltung gegenüber Transmenschen oder Menschen, deren Geschlecht nicht eindeutig erkennbar ist. Reicht von abwertenden Witzen über Diskriminierung und Beleidigungen bis zu körperlicher Gewalt.

Trans Frau

Frau, die bei ihrer Geburt aufgrund des Körpers als Junge eingeordnet wurde. Zugehörige Akronyme: AMAB/DMAB (assigned/designated male at birth), MTF (male-to-female).

Transgender

veraltet: Transsexualität, transsexuell. Sich nicht oder nur teilweise dem Geschlecht, welchem man bei der Geburt zugewiesen wurde, zugehörig fühlen. Trans Menschen sind transgender. Wird adjektivisch oder substantiviert gebraucht. Deutsche Alternativen sind transgeschlechtlich, trans, transident oder geschlechtsvariant.

Transition

Prozess der sozialen, rechtlichen und/oder medizinischen Angleichung an die Geschlechtsidentität. Mögliche Schritte beinhalten: Coming Out, Namensänderung, Hormonbehandlung und/oder Operationen.

Trans Mann

Mann, der bei seiner Geburt aufgrund des Körpers als Mädchen eingeordnet wurde. Zugehörige Akronyme: AFAB/DFAB (assigned/designated female at birth), FTM (female-to-male)

Trans Mensch, Trans Person

Mensch, der sich nicht oder nur teilweise mit dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht identifiziert.

Transsein

Transgender sein, bzw. das Ausleben davon (siehe: Transition).

Transsexuell

veralteter Begriff für transgender. Ist medizinisch korrekt, wird aber aufgrund der falschen Konnotation zur sexuellen Orientierung kritisiert.

Z

Zugeordnetes Geschlecht

auch Geschlechtslabel, Hebammengeschlecht, Registergeschlecht, körperliches Geschlecht. Geschlecht, welches einem Menschen bei der Geburt aufgrund der körperlichen Merkmale zugeordnet wird (auf Englisch: sex). Mögliche Einteilungen sind, je nach Land, männlich, weiblich und inter. In der Schweiz können im Moment nur männlich und weiblich eingetragen werden.